Reelkirchen

Sturmerprobt wie die alte Linde

Blomberg-Reelkirchen. Alles war perfekt vorbereitet: Das handgeschnitzte Dorfschild zur 800-Jahr-Feier von Reelkirchen lag nur noch zur Oberflächenbehandlung in einer Möbelfabrik. Und dann brannte die leider ab. Die Jubiläumsfeier musste ohne die neue Tafel auf dem Dorfplatz stattfinden. Das war 1994. Mittlerweile prangt längst eine neue, schöne Tafel im Herzen des idyllischen Ortes. Dort hat sich in den letzten Jahren eine Menge getan.

Reelkirchen Kirchturm
Foto: Rüdiger Haase

Wer vom Dorfplatz aus den Blick schweifen lässt, sieht zunächst einmal auf die lang erkämpfte Ortsdurchfahrt, die 1993 fertiggestellt wurde. Sie wird von einem alten Brunnen gesäumt, den die Dorfgemeinschaft liebevoll restauriert hat. Dahinter ragt der Turm der trutzigen romanischen Kirche auf. In ihrem Schatten wächst die 1000-jährige Linde, ein Naturdenkmal, das für viel Geld gerettet wurde und mit seinen mächtigen Ausmaßen jeden Besucher beeindruckt. Gegenüber der Kirche, auf der anderen Seite der Mittelstraße, steht ein graues Haus. Es ist nicht besonders auffällig, doch legt es Zeugnis von dem Schatz ab, der in Reelkirchen mehr wert ist als all die schön restaurierten Fachwerkhäuser und die wunderbare Idylle: Hier lebt eine intakte Dorfgemeinschaft. Im ehemaligen Übergangswohnheim für Aussiedler haben sich die Reelkirchener mit Hilfe der Stadt einen Treffpunkt eingerichtet, nachdem der Mehrzweckraum der Grundschule wieder als Schulklasse benötigt wurde. Der ehemalige Ortsvorsteher selbst ist auf diese pfiffige Idee verfallen.

Richard Kockel, der gelernte Tischler, hat hier selbst mit Hand angelegt, aus seiner Werkstatt stammen das passgenaue Regal hinter der Theke und die schicke Garderobe am Eingang. Gerade mal ein gutes Jahr hat es von der Idee bis zum Umzug gedauert. Natürlich braucht jemand wie Richard Kockel Mitstreiter, die er unter anderem im 22-köpfigen, engagierten Dorfausschuss findet. Hier ist Geselligkeit Trumpf: „Wir pflanzen jedes Jahr den Weihnachtsbaum und veranstalten unser Kartoffelbraten in Obertopps Kuhle.“ Obertopps Kuhle – auch das ist ein sichtbarer Beweis für Reelkirchener Gemeinschaftssinn: Ein alter Holzschuppen wurde schon vor Jahr und Tag isoliert und ausgebaut, so dass hier kleinere Feiern stattfinden können. „Wir haben uns das eben so ein bisschen fertig gemacht“, ist Kockel bescheiden. Understatement scheint eine Spezialität in Reelkirchen zu sein:

Reelkirchen Wasserschloss
Versteckte Idylle: Das große Herrenhaus ist schwer einzusehen, aber schon der Burggraben mit den restaurierten Ställen wirkt malerisch. Foto: Rüdiger Haase

So versteckt sich die Wasserburg fast ein bisschen verschämt hinter vielen Sträuchern und Bäumen. Man gelangt über den Burggraben durch einen Torbogen in den romantischen Innenhof mit Herrenhaus und ausgebauten Ställen. Der größte Teil der Gebäude ist vermietet, im Obergeschoss des Herrenhauses wohnt eine Familie mit Kindern.

Das ganze Ensemble strahlt dieselbe Beschaulichkeit und Ruhe aus, die sich im ganzen Dorf widerspiegelt.

Info

  • Einwohnerzahl: 763
  • Größe: 3995570 Quadratmeter

Besonderheiten

  • Wasserburg
  • 1000-jährige Linde
  • Wohngebiet „Ehlerts Berg“ mit Niedrigenergiehäusern

Infrastruktur

zwei Landwirtschaftsbetriebe, eine Zimmerei, ein Elektrobetrieb, ein Lebensmittelgeschäft, zwei Bäckerwagen, ein Friseur, JUH-Kindertagesstätte "Burg Sonnenschein", Grundschule

Vereine

Dorfausschuss, Frauen- und Männerchor Herrentrup-Reelkirchen, Königsbacher Musikanten, Seniorenclub, Sterbeunterstützungskasse, Turnverein, Ziegler- und Handwerkerverin

Dieser Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung von der Lippischen Landes-Zeitung im Jahre 2000 übernommen und 2008 aktualisiert.

Zum Schluss noch ein paar Stichworte zum Ortsteil.